Reichau
Das Dorf gliedert sich gemäß seiner geographischen Lage in die beiden Teile
Oberreichau und Unterreichau.
Auf erste Besiedelungen aus der Zeit vor dem 6. Jahrhundert weist eine Erdburg
nördlich des Dorfes hin, die keltischen Ursprungs ist. Ab 800 n. Chr. ließen
sich Alemannen in diesem Gebiet nieder, wie die Anlage von sog. Hochäckern
(erste Ackerformen) westlich des Dorfes beweist.
Reichau - ähnlich wie Boos - hatte im Laufe der Jahrhunderte mehrere
Patronatsherren. Das Geschlecht der Ritter von Rychen (von Reichau) bewohnte die
ehemalige Burg in Oberreichau vom 9. bis 14. Jahrhundert. Später gelangte die
Burg in den Besitz der Ritter Schweickhart; nach dem Tode des letzten
Nachkommens 1542 verfiel die Burg.
Unterreichau kam, gleich Boos, im Jahre 1551, Oberreichau schließlich 1581 unter
die Herrschaft der Fugger. (Nach der Chronik von A. Grünbauer).
Mit Einführung der kommunalen Selbstverwaltung 1848 wurde der Ort eigenständig.
Im Zuge der Gebietsreform schloss sich Reichau 1975 freiwillig der Gemeinde Boos
an.
Die neugotische Kirche in Reichau stammt aus dem Jahre 1868; bis dahin besaßen
die Bewohner nur eine kleine Kapelle von 1721, die heute nicht mehr existiert.
Neben der schönen waldreichen Umgebung der Gemeinde, die zur Erholung einlädt,
bieten zahlreiche Vereine die Möglichkeit zu vielseitiger Freizeitgestaltung.
Nicht unerwähnt bleiben darf, dass Sebastian Kneipp von 1853 bis 1854 als Kaplan hier wirkte und bereits damals seine Wasserheilmethode erfolgreich anwandte.
Boos
Eine erste urkundliche Erwähnung findet Boos um 800 n. Chr. als Besitz Kaiser
Karls des Großen. In den folgenden Jahrhunderten hatte die Gemeinde in ihrer
wechselvollen Geschichte verschiedene Patronatsherren (zunächst als Lehensmänner
des Stiftes Kempten). Namentlich bekannt sind der Ritter Dippold und dessen
Familie (1054 - 13. Jahrh.), als Nachfolger die Herren von Rychen aus Reichau,
ab 1435 dann die Patrizierfamilie Besserer aus Memmingen und schließlich die
Patrizierfamilie Stebenhaber, die 1551 ihren Booser Besitz an den Freiherrn
Anton Fugger von Babenhausen verkaufte. Die Fuggerherrschaft endete erst im
Jahre 1848, als Bayern die kommunale Selbstverwaltung einführte.
Viele Bauten erinnern an die jahrhundertelange Fuggerherrschaft und immer wieder
begegnet man dem Fuggerwappen. Von 1620 bis 1777 regierten und wohnten fünf
Fuggergrafen mit ihren Familien im Booser Schloss.
So gehen die Barockkirche St. Martin mit dem Um- und Anbau von 1711 bis 1713
(Ursprünge reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück), das ehemalige Schloss (das
jetzige Bräuhaus) aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, die
Nepomukkapelle und die Bergkapelle von 1627 auf Fuggersche Gründungen zurück.
Von überregionaler Bedeutung war die ehemalige
Lehr- und Versuchsanstalt für Weichkäserei und Butterbereitung von 1902 bis 1973.
In der "Booser Käsereischule" wurden in 71 Jahren insgesamt 12.750 Meister und
Gehilfen des Molkereifachs, nicht nur aus Bayern, aus- und weitergebildet.
Daneben kann die Gemeinde eine Anzahl stattlicher Bauernhöfe aufweisen, deren
Ursprünge zum Teil bis ins ausgehende Mittelalter zurückverfolgbar sind.
Aus dem ehemals bäuerlich strukturierten Dorf hat sich im Laufe der Jahrzehnte
eine aufstrebende Gemeinde entwickelt, in der es ein gesundes Miteinander von
Landwirten, Arbeitnehmern, Handwerkern und Selbständigen gibt.
Statistik Boos mit Reichau
Region: Donau-Iller
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Unterallgäu
Gemarkung/en: Boos u. Reichau
Geografische Lage: 48° 4' N, 10° 12' O
Meereshöhe (ü. NN): 573
Fläche (km²): 17,66
Einwohner (31.12.2008): 1.939
Postleitzahl: 87737
Telefon-Vorwahl: 08335 und 08333
Kfz-Kennzeichen: MN (Mindelheim)
AGS: 09 7 78 120


